die potsdam erfahrung
Impulsvortrag beim Baukulturkonvent in Potsdam zur nonconform Baureduktionsplanung ©Till Bude/Bundesstiftung Baukultur
Manchmal gibt es diese Momente, in denen man spürt, dass eine Idee, die lange als Nischenthema galt, plötzlich ins Zentrum der Debatte rückt.
So ging es mir und meinen Kolleginnen und Kollegen von nonconform beim Konvent der Bundesstiftung Baukultur in Potsdam. Die Stiftung bringt regelmäßig Menschen zusammen, die Verantwortung für die Zukunft unserer Städte, Gemeinden und Gebäude tragen. Dort über Baureduktionsplanung sprechen zu dürfen, war für uns nicht nur eine fachliche Anerkennung, sondern vor allem ein Zeichen dafür, dass sich etwas bewegt.
Seit vielen Jahren beschäftigt uns die Frage: Warum beginnen wir so viele Projekte mit der Annahme, dass gebaut werden muss?
Wenn wir bei nonconform in eine Phase Null starten, stellen wir meist andere Fragen. Was wird wirklich gebraucht? Was ist bereits vorhanden? Welche Räume stehen leer? Welche Nutzungen können kombiniert werden? Wie können Menschen, Organisationen und Gebäude besser zusammenwirken? Oft entdecken wir dabei Potenziale, die niemand zuvor gesehen hat. Nicht weil sie verborgen wären, sondern weil wir gelernt haben, zuerst an Gebäude und erst danach an Nutzung zu denken.
Genau darüber haben wir in Potsdam gesprochen: über Baureduktionsplanung. Über den Gedanken, dass der wertvollste Quadratmeter oft jener ist, den wir gar nicht erst bauen. Dass weniger Bauvolumen nicht weniger Qualität bedeutet, sondern häufig das Gegenteil. Mehr Nutzungsvielfalt. Mehr Multifunktionalität. Mehr finanzielle Spielräume. Mehr Klimaschutz. Und oft auch mehr Zufriedenheit bei den Menschen, die diese Räume später nutzen. Die Baureduktionsplanung setzt genau dort an: bei der sorgfältigen Analyse von Bedarfen und vorhandenen Raumstrukturen, um mit möglichst wenig baulichem Eingriff möglichst viel Wirkung zu erzielen.
Besonders beeindruckt hat mich die Offenheit, mit der diese Gedanken aufgenommen wurden. Noch vor wenigen Jahren musste man häufig erklären, warum Bestandsentwicklung, Mehrfachnutzung und Flächensparen überhaupt relevant sind. Heute werden sie zunehmend als zentrale Antworten auf steigende Baukosten, knappe Budgets und die Herausforderung der Klimaneutralität verstanden.
Für mich war dieser Austausch deshalb so wertvoll, weil er gezeigt hat: Die Diskussion über die Zukunft des Bauens ist längst eine gesellschaftliche Frage. Wie wollen wir unsere Ressourcen einsetzen? Wie wollen wir miteinander leben, arbeiten und lernen? Und wie schaffen wir Räume, die auch in zwanzig oder dreißig Jahren noch funktionieren?
Die Gespräche in Potsdam haben mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass wir einen Perspektivenwechsel brauchen. Weg vom Reflex des schnellen Neubauens als einfache Antwort. Hin zur intelligenten Nutzung dessen, was bereits da ist und wenn etwas neu gebaut werden muss, dann muss es einen Mehrwert für den Ort, für die Gesellschaft und für das gute Leben zu schaffen. Das heißt Baureduktionsplanung nicht aus Verzicht, sondern aus Verantwortung. Und aus der Erkenntnis, dass gute Räume nicht durch möglichst viel Beton entstehen, sondern durch kluge Konzepte und das Zusammenspiel vieler Menschen.
Ich bin dankbar, dass wir unsere Erfahrungen in einem so hochkarätigen Forum teilen durften. Und ich nehme aus Potsdam vor allem eines mit: Die Idee „mehr nutzen – weniger bauen“ ist angekommen. Jetzt geht es darum, sie gemeinsam in die Praxis zu bringen. Ein großes Danke an unser wunderbares nonconform Team und das geniale Team der Bundesstiftung Baukultur.
Gemeinsam mit meiner nonconform Kollegin Maria Isabettini beim Aufakt-Impuls zu unserem Forum ©Till Bude/Bundesstiftung Baukultur